
Die Villa Moessmer, ursprünglich als repräsentative Fabrikantenvilla der frühen Gründerzeit errichtet, steht exemplarisch für die architektonische Verbindung von Wohnen und industriellerIdentität. Ziel des Projekts ist die Transformation des Bestandsgebäudes in einhochwertiges Restaurant, ohne die historische Integrität der Villa weiter zu beeinträchtigen. Aufgrund mehrfacher innerer Überformungen wurde der ursprüngliche Raumcharakter im Laufe der Zeit geschwächt, sodass ein behutsames Weiterbauen als architektonische Strategie gewählt wurde. Zentral ist die Ergänzung durch eine neue, eigenständige Struktur, die sich typologisch an den für die Gründerzeit charakteristischen Veranden orientiert. Diese Intervention tritt nicht als klassischer Zubau in Erscheinung, sondern wird als pavillonartige, temporär wirkende Erweiterung konzipiert. Durch diese Setzung lassen sich die funktionalen Anforderungen eines zeitgemäßen Gastronomiekonzepts erfüllen, während die historische Substanz der Villa bewahrt und ablesbar bleibt. Der Entwurf basiert somit auf einem dialogischen Verhältnis zwischen Altbau und Neubau, zwischen Kontinuität und Weiterentwicklung, das sowohl architektonisch als auch kulturhistorisch begründet ist.
Arch. Walter Angonese und Arch. Klaus Hellweger – Entwurf, Genehmigungsplanung, arch. Bauleitung, Einrichtungsplanung
BergmeisterGmbH – Thermosanitärplanung, Elektroplanung, Statik und Brandschutz
Die architektonische Qualität des Projekts zeigtsich in der präzisen Ausarbeitung des Übergangs zwischen historischer Substanz und zeitgenössischer Ergänzung sowie in der durchdachten funktionalen Organisation. Die neue Küchenveranda dockt am nordwestlichen Gebäudeeck an und gliedert die Abläufe des Restaurantbetriebs über mehrere Ebenen. Im vollständig verglasten Hochparterre liegt die als Bühne inszenierte Schauküche mit direktem Blick in den umliegenden Park. Die enge Anbindung an den Altbau verbindet Empfang und Speiseräume und schafft eine wohnliche, fast häusliche Atmosphäre. Eine besondere Rolle spielte dabei die enge Zusammenarbeit mit dem Drei-Sterne-Koch Norbert Niederkofler: Der intensive Austausch gab den Architekten wertvolle Einblicke in professionelle gastronomische Arbeitsabläufe, die sich direkt in der Raumplanung niederschlagen. Im Untergeschoss sind Vorbereitungsküche und Anlieferung untergebracht, während der Altbau ergänzende Räume wie Nebenräume und Weinkeller aufnimmt. Die Fassadengestaltung unterscheidet bewusst zwischen der transparenten Leichtigkeit im Obergeschoss und einem textil anmutenden Sockel, der an die Geschichte der Tuchfabrik erinnert.
Das Projekt entfaltet seine Wirkung durch das fein austarierte Zusammenspiel von historischer Substanz und zeitgenössischer Architektursprache. Die Wiederherstellung der ursprünglichen Würde der Villa stärkt ihre Präsenz als identitätsstiftendes Gebäude und als Träger der Unternehmenskultur. Gleichzeitig setzt die neue Küchenveranda einen eigenständigen, respektvollen architektonischen Akzent: Durch ihre pavillonartige Form und die transparente Gestaltung wirkt sie leicht und reversibel, sie ergänzt den Bestand, statt ihn zu dominieren. Die zentrale Herdstelle als räumliches und funktionales Zentrum verleiht dem gastronomischenRaum eine besondere, archetypische Qualität. Der unmittelbare Bezug zum Park und zur Landschaft bleibt erhalten und wird durch die großzügigen Verglasungen zusätzlich betont. Insgesamt entsteht ein stimmiges Ensemble, das die industrielle Vergangenheit der Moessmer Tuchfabrik reflektiert und zugleich eine zeitgemäße Nutzung auf höchstem Niveau ermöglicht. Die Architektur vermittelt dabei zwischen Geschichte und Gegenwart und schafft einen Ort mit hoher Identität und Aufenthaltsqualität.