October 8, 2026

Holzbau – warum Bauen mit Holz Sinn macht

Blog-Beitrag · Kategorie: Holzbau · Lesezeit: ca. 4 Minuten

Am Silvius-Magnango-Platz in Bozen stand im Mai 2024 eine ungewöhnliche Installation: ein Stapel aus exakt 40 Kubikmetern Holz – genau jene Menge, die durchschnittlich in einem Holzhaus verbaut wird. Der Clou dabei, wie IDM Südtirol im Rahmen der Initiative Pro Ramus vorrechnete: Diese 40 Kubikmeter wachsen in Südtirols Wäldern im Schnitt in nur 10 Minuten nach und binden dabei rund 40 Tonnen CO2. Kaum eine andere Zahl bringt so plastisch auf den Punkt, warum Holz als Baustoff aus klimapolitischer Sicht in einer eigenen Liga spielt.

Der Wald als CO2-Speicher – mit Zahlen aus Südtirol

Rund die Hälfte der Südtiroler Landesfläche – etwa 372.000 Hektar – ist bewaldet. Diese Wälder binden nach aktuellen Berechnungen jährlich rund 3,72 Millionen Tonnen CO2. In den Beständen selbst stehen derzeit etwa 105 Millionen Vorratsfestmeter Holz, die zusammen 27,6 Millionen Tonnen Kohlenstoff speichern – umgerechnet 82 Tonnen Kohlenstoff pro Hektar. Jeder Hektar Südtiroler Wald entzieht der Atmosphäre im Schnitt zusätzlich 1,15 Tonnen Kohlenstoff pro Jahr. Die häufigsten Baumarten sind Fichte (rund 61 Prozent desBaumbestandes), Lärche (etwa 19 Prozent) und Kiefer beziehungsweise Föhre (rund 10 Prozent) – allesamt Nutzhölzer, die sich hervorragend für den konstruktiven Holzbau eignen.

Konkret heißt das für den Baustoff selbst: Ein Kubikmeterverbautes Holz speichert rund 0,9 Tonnen CO2 dauerhaft – solange das Holz nicht verbrennt oder verrottet, bleibt der Kohlenstoff gebunden. Wird mit diesem Kubikmeter Holz zusätzlich ein CO2-intensiverer Baustoff wie Beton oder Stahlersetzt, kommt eine Einsparung von weiteren rund 1,1 Tonnen CO2 durch die sogenannte Substitution hinzu. Ein Holzhaus ist damit nicht einfach nur „weniger klimaschädlich“ als ein Massivbau – über einen Teil seines Lebenszyklus kehrt es die Bilanz tatsächlich um: weg von der Emission, hin zur Speicherung.

Eine Branche mit Gewicht

Der Wald-Holz-Sektor ist in Südtirol längst kein Nischenthema für Idealisten. Rund 20.000 Menschen beziehen direkt oder indirekt ihr Einkommen aus dem Wald- und Holzsektor, der Jahresumsatz der Branche liegt bei etwa 1,4 Milliarden Euro. Um den Sektor wettbewerbsfähig zu halten, unterstützt das Land mittlerweile öffentliche Bauvorhaben in Holzbauweise über einen eigenen Südtiroler Holzbaufonds – eine Förderung, die künftig auch auf private Bauträger ausgeweitet werden soll.

Bauphysik statt Bauchgefühl

Neben der CO2-Bilanz sprechen auch bautechnische Gründe für Holz. Massivholzquerschnitte verhalten sich im Brandfall überraschend berechenbar: Sie verkohlen von außen nach innen mit einer gleichbleibenden, langsamen Geschwindigkeit. Der intakte Kern unter der Kohleschicht behält seine Tragfähigkeit oft deutlich länger als ungeschützter Stahl, der bei hohenTemperaturen relativ abrupt an Festigkeit verliert – ein Grund, warum tragende Holzquerschnitte im europäischen Brandschutznachweis (Eurocode 5) heute präzise berechnet statt pauschal verurteilt werden. Hinzu kommt das geringe Eigengewicht: Es macht Holzkonstruktionen besonders geeignet für Aufstockungen und Erweiterungen bestehender Gebäude, weil vorhandene Fundamente und tragende Strukturen oft nicht verstärkt werden müssen.

Kein Widerspruch zu anderen Baustoffen

Wichtig ist dabei die Einordnung: Holzbau ist kein Dogma. Erist eine von mehreren sinnvollen Konstruktionsweisen – oft die beste Wahl, aber nicht immer die einzige. Massiv-, Stahl- und Hybridbauweisen haben ihre eigene Berechtigung, etwa bei sehr großen Spannweiten, hohen Erdgeschosszonen im urbanen Kontext oder speziellen Brandschutz- und Schallschutzanforderungen. Wer heute plant, sollte deshalb weniger nach dem „richtigen“ Baustoff fragen als danach, welche Konstruktionsweise für das jeweilige Projekt technisch, wirtschaftlich und ökologisch am meisten Sinn ergibt – und in einem waldreichen Land wie Südtirol lautet die Antwort auf diese Frage überraschend oft: Holz.

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Quellen

Autonome Provinz Bozen – Abteilung Forstwirtschaft: „Die Forstwirtschaft“(Waldfläche, Baumarten, Besitzstruktur) – https://provincia.bz.it/agricoltura/3106/downloads/deutsch/01_Text/05_Die_Forstwirtschaft.pdf

Freie Universität Bozen (unibz): Buchkapitel „Forstwirtschaft“ – Kohlenstoffspeicherung und CO2-Substitution Südtirol – https://bia.unibz.it/esploro/outputs/bookChapter/Forstwirtschaft/991006084691501241

IDM Südtirol: „Mit Holzbau das Klima verbessern“ (Installation Bozen,40-m³-Beispiel) – https://www.idm-suedtirol.com/de/news-termine/news-termine/news/article/mit-holzbau-das-klima-verbessern

IDM Südtirol: „Holz: Ein wichtiger Sektor für Südtirol“ (Beschäftigte, Jahresumsatz, Holzbaufonds) – https://www.idm-suedtirol.com/de/news-termine/news-termine/news/article/holz-ein-wichtiger-sektor-fuer-suedtirol

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